Brennpunkt – Poststrasse

L 298 – OD Winsen

DTV:                                          12.700 Kfz/24 h (2014)
Schwerverkehr:                      890 Kfz/24 h (2014)
Baujahr: bis 2014

Lage: Ortsdurchfahrt (straßen‐ und verkehrsrechtlich) Mischverkehr auf der Fahrbahn statt benutzungspflichtiger Radverkehrsanlage

Beschreibung

Die sanierungsbedürftige Ortsdurchfahrt sollte im Bereich des Ortskerns grundlegend erneuert werden. Der Umbau, der eine auf 6,30 m verschmälerte Fahrbahn, breitere Seitenräume und partiell Parkstände vorsah, sollte auch der Entwicklung und Aufwertung des Ortskerns dienen. Radverkehr sollte im Mischverkehr auf der Fahrbahn abgewickelt werden. Die Gemeinde trug unter Einbeziehung von Fördermitteln den Umbau für den 470 m langen Abschnitt der Ortsdurchfahrt.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wurde seitens der zuständigen Behörde mit Verweis auf RASt 06 und ERA 2010 vorgebracht, dass ein Mischverkehr auf der Fahrbahn wegen der Fahrbahnbreite nicht zu vertreten sei. RASt und ERA werten bei den in Winsen vorhandenen Verkehrsbelastungen Fahrbahnbreiten von 6 bis 7 m als problematisch, da hier Überholungen des Radverkehrs bei Gegenverkehr mit zu geringen Seitenabständen stattfinden. Die Behörde regte deshalb die Prüfung einer benutzungspflichtigen Anlage oder von Schutzstreifen an. Eine Anordnung von Tempo 30 wurde wegen der Verbindungsfunktion der Straße für den KfzVerkehr und der in 2014 nicht gesehenen besonderen Gefahrenlage abgelehnt.

Da benutzungspflichtige Radverkehrsführungen mit ERA‐konformen Abmessungen oder Schutzstreifen nur bei Verzicht auf Parkstände realisierbar gewesen wären, dies aber wegen des dichten Geschäftsbesatzes nicht durchzusetzen war, gab die Behörde ihre Bedenken auf. Die Anlage wurde dann wie geplant realisiert.

Bewertung

Der Hinweis der Behörde auf die kritischen Fahrbahnbreiten bei Mischverkehr ist grundsätzlich fachlich begründet und sollte bei zukünftigen Planungen von vornherein schon in die Überlegungen einbezogen werden. Allerdings ist fraglich, ob die diesbezüglich vorliegenden Erkenntnisse generell eine besondere Gefahrenlage begründen, die die Anlage benutzungspflichtiger Radverkehrsanlagen erfordert. Hier ist weiterhin eine Einzelfallprüfung erforderlich. In Winsen wären seitenraumorientierte Führungen wegen der zahlreichen Zufahrten und möglicher Konflikte mit dem Fußverkehr kritisch zu bewerten.

Schutzstreifen wären eine geeignete Lösung, sofern der Verzicht auf Parkstände im Straßenraum in dieser Geschäftsstraße durchsetzbar wäre. Der Mischverkehr kann hier jedoch als vertretbar angesehen werden, da im Planungsabschnitt wegen Abbiegestreifen, Fußgängerüberwegen etc. Überholen ohnehin nur auf kurzen Abschnitten möglich wäre. Die Fahrbahnbreite liegt zudem im unteren Bereich des als kritisch eingestuften Breitensegments.
Eine spätere Anordnung von Tempo 30 wäre zu begrüßen.